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Narkotika und Jubilus

Erwachsene Menschen stehen dicht an dicht. Sie tragen „Kutten“ – abgetragene Jeanswesten mit Aufnähern ihres Vereins. Berauscht vom Gemeinschaftsgefühl und narkotisierenden Alkoholika verfallen sie in einen kollektiven Singsang,  die Schals um den Hals, jederzeit bereit, ein Schalspann-Ritual durchzuführen. SCHALALALALAAAAAAAA! Bier, Menschen, Reliquien, Umarmungen, Erbrochenes, Verbrüderung, lachende Gesichter, weinende Männer, Pöbeln, Grölen, große Euphorie – all das ist Fußball. Doch diese assoziative Charakterisierung wird der Sportart nicht gerecht. Fußball ist Kulturgut und Medizin gegen die Unerträglichkeiten des menschlichen Daseins; Heldenreise und Karthasis; eine universelle Sprache und Instrument der Integration und gleichzeitig der Grund für diverse Platzwunden, Alkoholvergiftungen und gebrochene Rippen. Die meisten Kämpfe werden jedoch stellvertretend von der Mannschaft auf dem Spielfeld ausgetragen und die Zahl der Verletzten ist, im Verhältnis zur Größe der Veranstaltung, relativ gering. Mit Emotionen wird beim Fußball nicht gegeizt, Herzblut wird im großen Stil investiert: Aufopferung, Treue und Kasteiung für den Verein sind eine Selbstverständlichkeit – in guten wie in schlechten Zeiten.