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Irgendwas mit Medien – Hörfunk

Auf einer Familienfeier fragen die Gäste zwei Geschwister, was sie studieren. Er sagt: „Medizin“ – „Oho“ „Aaah“. Es wird anerkennend geraunt und gleichzeitig wissend genickt. Sie erzählt, dass sie Medienwissenschaft studiert. „Medienwissenschaft? Was ist das?“ und „Wird man damit Nachrichtensprecher bei der Tagesschau?“, wollen Omas Bekannte wissen. Wenn die gleiche Konversation auf einer Party mit jüngeren Besuchern stattfindet, dann folgt oft ein sarkastisches: „Soso, irgendwas mit Medien.“ oder: „Das ist ja cool!“, weil die Person glaubt, dass man ein total aufregendes Lifestyle-Studium absolviert und zukünftig glamouröse Berufsaussichten auf einen warten, bei denen man viele wichtige Leute trifft. Oder im Zweifelsfall wenigstens den ehrwürdigen Job ausführt, über wichtige Leute zu berichten, andere Menschen zu unterhalten und zu informieren beziehungsweise ihnen vorzuschlagen, an was sie denken und was sie gut finden sollen. Oder aber man wird eben doch ein „echter“ Wissenschaftler und untersucht per Eyetracking die Auswirkungen von Gewaltspielen auf Kindergartenkinder.

„Irgendwas mit Medien“ ist zu einer geflügelten Redewendung geworden. Sie bezeichnet ein Konglomerat von Berufsfeldern, das im weitesten Sinne mit dem Begriff „Medien“ in Verbindungen gebracht werden kann und beschreibt dabei gleichzeitig auf subtile Art und Weise unseren „Zeitgeist“. Oftmals klingt  bei der Aussprache des Labels „Irgendwas mit Medien“ ein gewisser Beigeschmack mit. Medienjobs scheinen sich aus der Perspektive von Außenstehenden auf einem Spektrum zwischen Skepsis und Faszination zu bewegen. Sie muten volatil und nicht vollkommen durchschaubar an. Versucht man sie an einer Facette zu greifen, so rutschen einem die anderen schon wieder aus der Hand. Und möglicherweise ist genau das, was sie so verheißungsvoll macht.

Trotz seiner bisweilen konturlosen oder vielmehr wandelbaren Erscheinung kann man den Eindruck gewinnen, dass der Berufswunsch „Irgendwas mit Medien“  inflationär geworden ist oder zumindest einen eindeutigen Peak im Raum-Zeit-Kontinuum der Studienwahl der letzten Jahre hinterlassen hat. Handelt es sich um eine Traumjobkonstruktion der Kinder der 1980er Jahrgänge, die seit ihren Erstkontakten mit Gameboys und punktefressenden Schlangen auf Mobiltelefonen zu fashionaffinen Instagram-Hipstern auf der Suche nach einer notwendigen, aber spannenden Zukunftsperspektive geworden sind? Diese Hypothese ließe sich nur durch eine großangelegte empirische Erhebung unter den Studierenden der Medienwissenschaft widerlegen.

So sehr die Berufsbezeichnung „Irgendwas mit Medien“  nach einem Abenteuerspielplatz für Lifestylejunkies klingt, müssen wir dennoch zugeben, dass unser Alltag vollkommen von Mediennutzung bestimmt wird und dass in diesem Bereich eindeutig eine gewisse Zukunft liegt – zumindest im Handel mit Big Data und den Korrelationen zwischen Unterhaltungs- und Konsumvorlieben. Und der Journalismus bildet mit seiner Orientierungsfunktion immerhin die Basis unserer demokratischen Gesellschaft.

Die Absolventen von „Irgendwas mit Medien“ landen im (Online-) Journalismus, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in der Werbung oder im Marketing, in der Unterhaltungsbranche – ein dehnbarer Begriff. Sie werden Blogger oder „Kreative“ alias Menschen, die in einem Open-Space-Büro in einem angesagten Stadtteil einer Weltmetropole sitzen und Chiasamen-Smoothies trinken, während sie den traditionellen Arbeitszeiten skeptisch gegenüberstehen. Ok, eigentlich sind wir gerade in eine klischeebehaftete Selbstreflektion zur „Generation Y“ abgedriftet.

Welchen dieser Wege ein/e Medienwissenschaftsstudent/in einschlägt, hängt neben dem universitätsspezifischen Schwerpunkt natürlich davon ab, wie und ob die Person ihren Werdegang aktiv gestaltet. Die vielen verschiedenen Themenbereiche, die während eines Studiums angeschnitten werden sind Appetithäppchen auf der Suche nach dem Topf voll Gold/ Glück/ Mittelmäßigkeit.  Den individuellen Fokus und damit den Grundstein für den beruflichen Werdegang findet und legt jeder selbst. Als bewährte Zauberformel mit Standardabweichung hat sich erwiesen: (Praktika + fachbezogene Nebenjobs + Eigeninitiative) * (Sozialverträglichkeit + Empathie + selbstbewusstes Auftreten) = undurchschaubare Chancen auf hervorragende Jobs.

Stefanie Molitor ist Absolventin der Medienwissenschaft. Sie hat ihren Master an der Uni Tübingen gemacht. Während der Schulzeit wollte sie noch Konditorin werden, aber mit der Zeit hat ihre Liebe zur Sprache überwogen und sie in die Wundertüte der Medienwissenschaft gelockt. Im „Irgendwas mit Medien“-Kosmos hat sie vorübergehend einen festen Platz gefunden. In einem Interview erzählt sie von ihrem Studium und von ihrer Arbeit als Journalistin beim SWR.

von Leonie und Elisa

Titelbild: Astro Oscar II*II via flickr.com ( CC BY-SA 2.0)