Featured, Werkschau

Königinnen des Chaos

Messies leben verwahrlost in vermüllten Wohnungen, wo sich Zeitungsberge, Gerümpel und bizarre Sammelsurien meterhoch stapeln.

Für viele Menschen ist das Messie-Syndrom in wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Dies ist zum einen sicherlich der Begrifflichkeit geschuldet: von dem englischen Wort mess abgeleitet, beschreibt die Bezeichnung Messie lediglich die äußeren Auswirkungen der Erkrankung, nämlich Durcheinander, Unordnung, Chaos. Auch die Medien, im besonderen das Privatfernsehen, tun ihr Übriges, um diese eindimensionale Betrachtung mit effekthascherischen Bildern zu nähren und tragen selten dazu bei, über das mittlerweile weit verbreitete Krankheitsbild aufzuklären. Meist liegt der Fokus der Berichterstattung auf dem Zustand der Wohnung, was einer wirkungsvollen Bildsprache gerecht wird, nicht so sehr jedoch den Betroffenen und deren Innenleben.

Messies sind nicht einfach nur unordentlich oder undiszipliniert. Hinter der Sammelwut, die sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen kann, versteckt sich ein viel tiefer liegendes Problem: meist sind physische oder psychische Erkrankungen die Ursache dafür, dass das innere Chaos der Betroffenen die Körpergrenzen überschreitet und von deren Lebensraum Besitz ergreift.

Im folgenden Hörfunkbeitrag erzählen zwei betroffene Frauen von ihren Erfahrungen. Meike und Ingrid sind bereits seit Jahren in einer Selbsthilfegruppe und haben sich auf Anfrage zu einem Treffen bereit erklärt. Aus Angst, stigmatisiert zu werden, möchten die Frauen nicht mit ihrem echten Namen genannt werden. Schließlich erfahren Messies aus der breiten Bevölkerung immer noch wenig Verständnis für ihre Situation, was einen offenen Umgang mit der Krankheit erheblich erschwert.

 

Der Radiobeitrag entstand im Wintersemester 2014/15 an der Universität Tübingen im Rahmen des Lehrforschungsprojekts Hörfunk im Masterstudiengang Medienwissenschaft.

Der Beitrag wird im Rahmen einer einstündigen Sendung zum Themenschwerpunkt Müll am 30. August 2015 bei dem Radiosender MicroEuropa ausgestrahlt.

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von

Luisa

hat eine Schwäche für Wortspiele. Zeichnet, kocht und liest gerne und würde niemals auf eine einsame Insel gehen.