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Bob Dylan – von Blues und schwäbischem Regenschutz

An einer Bushaltestelle in Tübingen schnappt eine Frau auf, dass über Bob Dylan geredet wird. Sie fängt an zu wettern: „Das Konzert muss ja peinlich gewesen sein. Der war vielleicht früher gut, aber jetzt?! Kommt da auf die Bühne, ohne `Hallo´ und `Auf Wiedersehen´ zu sagen. Sowas braucht wirklich keiner! Spielt genau 2 Stunden!! Eine Frechheit ist das! Und dann soll es ja auch noch so geregnet haben…“. Nach dem besagten Bob Dylan Open-Air-Konzert gingen zahlreiche Beschwerden beim örtlichen Konzertveranstalter Koko & DTK Entertainment ein. Man empörte sich – der Regen sei nass und kalt gewesen, man habe nichts gesehen, da die Bühne in einer Senkung lag, Regenschirme die Sicht versperrten und es (auf Wunsch des Künstlers) keine Leinwandübertragung gegeben hatte. Die Unzufriedenheit über das Bob Dylan-Konzert schien sich mit einer ähnlich stoischen Solidarität wie die Stuttgart 21-Wut zu verbreiten. Man hatte scheinbar Anderes erwartet. Oder vielleicht zumindest gehofft, dass Wetterflugzeuge mit Silberjodit auf Wolken schießen und für einen trockenen Himmel sorgen würden, so wie das in China bei wichtigen Anlässen gemacht wird. Zunächst drängt …

Im Schwitzkasten

Es ist heiß. Langsam bilden sich Schweißperlen auf meiner Stirn. Auf allen Vieren krieche ich vorwärts, gleichzeitig neugierig und nervös. Meine Knie protestieren gegen die harten Holzbretter unter mir und wecken die Erinnerung an lange vergangene Kindheitstage. Der dunkle Schacht, durch den ich mich zwänge, misst ungefähr einen halben Meter in Breite und Höhe und stellt mich vor immer wieder neue akrobatische Herausforderungen: steile Ecken, die nur in Seitenlage bezwingbar sind, Treppen, die nach unten und nach oben führen, Abschnitte die so schmal sind, dass ich Angst habe steckenzubleiben. Ist der Eingang erst einmal durchquert, sollte man seiner Gelenkigkeit vertrauen, denn Umkehren ist unmöglich. Es ist so ähnlich wie bei geschlossenen Rutschen in Erlebnisbädern, bei denen der Vordermann in einem dunklen Loch verschwindet und bald danach spitze Schreie ausstößt, von denen man hofft, dass es Schreie der Verzückung sind.