Autor: Luisa

Königinnen des Chaos

Messies leben verwahrlost in vermüllten Wohnungen, wo sich Zeitungsberge, Gerümpel und bizarre Sammelsurien meterhoch stapeln. Für viele Menschen ist das Messie-Syndrom in wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Dies ist zum einen sicherlich der Begrifflichkeit geschuldet: von dem englischen Wort mess abgeleitet, beschreibt die Bezeichnung Messie lediglich die äußeren Auswirkungen der Erkrankung, nämlich Durcheinander, Unordnung, Chaos. Auch die Medien, im besonderen das Privatfernsehen, tun ihr Übriges, um diese eindimensionale Betrachtung mit effekthascherischen Bildern zu nähren und tragen selten dazu bei, über das mittlerweile weit verbreitete Krankheitsbild aufzuklären. Meist liegt der Fokus der Berichterstattung auf dem Zustand der Wohnung, was einer wirkungsvollen Bildsprache gerecht wird, nicht so sehr jedoch den Betroffenen und deren Innenleben. Messies sind nicht einfach nur unordentlich oder undiszipliniert. Hinter der Sammelwut, die sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen kann, versteckt sich ein viel tiefer liegendes Problem: meist sind physische oder psychische Erkrankungen die Ursache dafür, dass das innere Chaos der Betroffenen die Körpergrenzen überschreitet und von deren Lebensraum Besitz ergreift. Im folgenden Hörfunkbeitrag erzählen zwei betroffene Frauen von ihren Erfahrungen. Meike und Ingrid sind …

Im Schwitzkasten

Es ist heiß. Langsam bilden sich Schweißperlen auf meiner Stirn. Auf allen Vieren krieche ich vorwärts, gleichzeitig neugierig und nervös. Meine Knie protestieren gegen die harten Holzbretter unter mir und wecken die Erinnerung an lange vergangene Kindheitstage. Der dunkle Schacht, durch den ich mich zwänge, misst ungefähr einen halben Meter in Breite und Höhe und stellt mich vor immer wieder neue akrobatische Herausforderungen: steile Ecken, die nur in Seitenlage bezwingbar sind, Treppen, die nach unten und nach oben führen, Abschnitte die so schmal sind, dass ich Angst habe steckenzubleiben. Ist der Eingang erst einmal durchquert, sollte man seiner Gelenkigkeit vertrauen, denn Umkehren ist unmöglich. Es ist so ähnlich wie bei geschlossenen Rutschen in Erlebnisbädern, bei denen der Vordermann in einem dunklen Loch verschwindet und bald danach spitze Schreie ausstößt, von denen man hofft, dass es Schreie der Verzückung sind.