Monate: Juli 2015

Wo sind eigentlich die Subkulturen geblieben?

In den vergangenen Jahrzehnten, der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, haben sich Jugendliche als Mitglieder einer Subkultur von der Massenkultur abgegrenzt, sich somit individualisiert und eine eigene Identität gebildet.
Wie sieht das heute aus? Kann sich eine Gruppe in der Gesellschaft durch Verhalten und Konsum wirklich noch von der Masse abgrenzen? Ist inzwischen nicht alles schon einmal da gewesen, von der Massenkultur vereinnahmt im Sinne von Simon Reynolds „Retromania“ nur noch die bloße Wiederholung des bereits Dagewesenen? Wenn die Abgrenzung von der Gesellschaft, von der Masse, nicht mehr möglich ist, wo bleibt dann die Individualisierung, wo bleibt dann noch die Möglichkeit eine eigene Identität herauszubilden? Massenkultur, Subkultur – was ist das eigentlich? Bevor man die Frage stellt, ob heute noch Subkulturen existieren, sollte man sich zunächst einmal über ein paar Begrifflichkeiten klar werden. Subkulturen grenzen sich von der Massenkultur ab – klar – aber was ist eigentlich eine Massenkultur? Massenkultur beschreibt ein Phänomen der Moderne, in der durch Industrialisierung und Technologisierung eine internationale Kultur von Freizeit-, Konsum- und Medienwelten entstand. Dabei handelt es sich nicht um …

So schmeckt das Schwabenland

Manchmal haben wir ganz einfache Vorstellungen davon, wie Dinge auszusehen haben. Für Feinschmecker kommt ein guter Single Malt aus Schottland. Feinster Mozarella stammt aus Kampanien. Aber habt ihr schon einmal schwäbischen Whisky probiert? Oder Hohensteiner Albzarella geschlemmt? Ein Stück Heimat auf dem Tisch bedeutet in der Region Schwaben nicht zwangsläufig Maultaschen oder Spätzle. Wie schmeckt eigentlich das Schwabenland? Auf der Spur von unerwarteter heimischer Kulinarik. Eine Sendung von Simona Miladinovic und Tanja Synek.   Dieser Radiobeitrag entstand im Wintersemester 2014/2015 im Rahmen der Lehrredaktion Hörfunk, Master Medienwissenschaft, Universität Tübingen. Das Seminar stand unter dem Motto „Heimat“. Ziel war es, sich des Themas „Heimat“ journalistisch und akustisch anzunehmen und es hörbar zu machen. Das Endprodukt ist hoffentlich eine interessante Radiosendung, die nicht nur in der Heimat, sondern auch unter Fremden gerne gehört wird. Dank gilt Prof. Dr. Jürgen Häusermann von der Eberhard Karls Universität Tübingen, Pia Fruth und Nils Keilmann vom SWR. Darüber hinaus bedanken wir uns bei unseren Gesprächspartnern Helmut Rauscher von der Hohensteiner Hofkäserei, Markus Hofmeister von der Destillerie und Genussmanufaktur Rieger und Hofmeister und Prof. Dr. Roman Lenz von der Hochschule …

Die neuen Langzeitstudenten

Die Regelstudienzeit für geisteswissenschaftliche Bachelorstudiengänge liegt bei sechs Semestern. Doch drei Jahre reichen nicht, um wertvolle Berufspraxis zu sammeln. Immer mehr Studierende müssen die Regelstudienzeit überschreiten, um den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen.   Der typische Langzeitstudent wählt grün, engagiert sich im AStA und fährt oft Fahrrad. Die Abende verbringt er in verrauchten Bars oder WG-Küchen, bei philosophischen Diskussionen mit seinen Freunden. Das Seminar morgens um elf lässt er sausen. Viel zu früh! Er hat sich eh kürzlich überlegt, das Fach zu wechseln – nochmal. Dieses Klischeebild eines Langzeitstudenten stammt aus der Zeit vor der Bologna-Reform. Die Studenten von heute studieren auf Bachelor statt Magister. Das Studium ist verschulter, die Flexibilität von damals fehlt. Anstelle von Scheinen sammelt man jetzt ECTS-Punkte. 180 sind es in der Regel bis zum Bachelorabschluss, 30 pro Semester. Laut einer Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes schafften es im Prüfungsjahr 2012 jedoch nur knapp 40 Prozent der Studierenden, ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschließen. Die Gründe sind vielfältig: zeitintensive Nebenjobs, chronische Krankheiten oder Behinderungen, familiäre Verpflichtungen. Doch ein Teil der Studierenden …

What’s your fantasy?

Es ist nicht das, wonach es aussieht!   Goldenes Licht, flauschiger Teppichboden, mintfarbene Wände und eine opulent gerahmte Landschaftsmalerei. Die Szenerie verführt geradezu unschuldig dem pittoresken Anschein eines amerikanischen Vorstadtwohnzimmerkitschs zu verfallen. Wären da nicht einige wundersame Objekte zu verzeichnen – etwa das Filmequipment oder eine nackte Blondine, die ihre Beine vor einer auf dem Teppich sitzenden Brünetten spreizt. Die Arbeiten des Fotografen Larry Sultan aus der Reihe „The Valley“ entstanden in den Jahren von 1998-2004 während der Dreharbeiten von Pornofilmen.

Die Digitalisierung der Musikproduktion

Wie entsteht Musik?  Man sitzt heute nicht mehr – wie man es sich so romantisch vorstellt – alleine bei Kerzenlicht, mit einer Flasche Wein und der Gitarre im Wohnzimmer und schreibt neue Lieder. Man verbringt auch nicht mehr Stunden in einem muffigen Kellerloch, um sich zusammen mit seiner Band bei jeder Probe zu betrinken, wodurch die Songs dann erst so richtig „authentisch“ werden. Nein, heute sitzt man – ob Elektro, Rock oder Metal – alleine vorm PC und macht da seine Musik. Komponieren, aufnehmen, abmischen, das ist alles problemlos am privaten Computer und im kleinen günstigen Heimstudio möglich. Ein gebrauchtes Audiointerface plus gebrauchte Monitorboxen plus Mikro plus Aufnahmeprogramm ist für unter 1000€ zu haben und nur ein wirklicher Experte mit einer wirklichen High-End-Anlage kann am Ende noch einen Unterschied zur Produktion aus einem professionellen Studio erkennen – vorausgesetzt man weiß was man da macht.

Bob Dylan – von Blues und schwäbischem Regenschutz

An einer Bushaltestelle in Tübingen schnappt eine Frau auf, dass über Bob Dylan geredet wird. Sie fängt an zu wettern: „Das Konzert muss ja peinlich gewesen sein. Der war vielleicht früher gut, aber jetzt?! Kommt da auf die Bühne, ohne `Hallo´ und `Auf Wiedersehen´ zu sagen. Sowas braucht wirklich keiner! Spielt genau 2 Stunden!! Eine Frechheit ist das! Und dann soll es ja auch noch so geregnet haben…“. Nach dem besagten Bob Dylan Open-Air-Konzert gingen zahlreiche Beschwerden beim örtlichen Konzertveranstalter Koko & DTK Entertainment ein. Man empörte sich – der Regen sei nass und kalt gewesen, man habe nichts gesehen, da die Bühne in einer Senkung lag, Regenschirme die Sicht versperrten und es (auf Wunsch des Künstlers) keine Leinwandübertragung gegeben hatte. Die Unzufriedenheit über das Bob Dylan-Konzert schien sich mit einer ähnlich stoischen Solidarität wie die Stuttgart 21-Wut zu verbreiten. Man hatte scheinbar Anderes erwartet. Oder vielleicht zumindest gehofft, dass Wetterflugzeuge mit Silberjodit auf Wolken schießen und für einen trockenen Himmel sorgen würden, so wie das in China bei wichtigen Anlässen gemacht wird. Zunächst drängt …

Die Banalität der Privatsphäre

Während sich Senioren bei Facebook anmelden und Mittvierziger WhatsApp (und die ungemein praktischen WhatsApp-Gruppen) für sich entdecken, sind diese Apps unter Teenagern schon wieder out.  Sie nutzen neue Apps wie Snapchat oder YouNow, um mit Freunden und Fremden zu kommunizieren. Oft präsentieren sie dabei ganz banale Dinge: Die NutzerInnen fotografieren etwa ihr Mittagessen, filmen sich beim Chillen mit Freunden oder erzählen der Kamera von ihrem Tag. Eigentlich ja nichts schlimmes, oder? Sollte man sich Sorgen machen, dass sie diese Informationen ins Internet stellen? Oder ist es nicht trotzdem privat, auch wenn es banal ist? Diesem Phänomen sind wir in einem rund vierminütigen Radiobeitrag auf den Grund gegangen, den ihr euch im Player anhören könnt:

in medias res

„Irgendwas mit Medien“ ist unter Studierenden eine beliebte Antwort auf die Frage, womit man denn mal seine Brötchen verdienen möchte. Je näher der Abschluss rückt, desto wichtiger ist es, sich damit auseinanderzusetzen, welche Jobs und Berufsfelder sich eigentlich hinter dem Buzzwort der Buzzphrase „Irgendwas mit Medien“ verbergen. Lokaljournalismus oder rechercheintensive Reportagen? Interne Kommunikation im Großkonzern oder doch lieber als Pressestimme einer NGO die Welt retten? In der Reihe in medias res möchten wir im Gespräch mit ehemaligen Studierenden der Medienwissenschaften Berufsfelder und Perspektiven für MeWis vorstellen.

„Your Net“ 2015 = „Your Sex“ 2015?

Bei der „Your Net“- Konferenz soll vor allem jungen Mediennutzern ein verantwortungsbewusster und selbstschützender Umgang mit dem Internet vermittelt werden. Es geht darum, Fragezeichen zu löschen und viele Ausrufezeichen rund um die Themen Datenschutz, Medienrecht, Internetsucht etc. zu hinterlassen. Diese kostenfreie Tagung wird  in unregelmäßigen Abständen vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) veranstaltet. Die gemeinnützige Gesellschaft (GmbH) wurde im Jahr 2011 von der Deutschen Post AG und dem damaligem Gründungsschirmherrn Bundespräsident Joachim Gauck, mit dem ausdrücklichen Ziel vertrauliche und sichere Kommunikation im Internet zu fördern, gegründet. Das hört sich erstmal ziemlich zäh an. Genau das Gegenteil war der Fall!

Hempmade – mit Hanf zu mehr Transparenz in der Textilindustrie

Nepal. Bei diesem Stichwort denken wir seit Anfang des Jahres leider nicht mehr nur an exotische Tempel, hohe Berge und bunte Gebetsfahnen, die im Wind wehen. Die Schreckensbilder nach den verheerenden Erdbeben werden uns alle noch lange begleiten. Viele von uns haben damals für die Erdbebenopfer Geld gespendet, um die Versorgung mit Lebensmitteln und den Wiederaufbau der zerstörten Häuser zu beschleunigen. Doch auch vor dieser Katastrophe war Nepal kein besonders reiches Land. Vor allem Bauern, die in abgelegenen Teilen der Gebirge wohnen, haben oft keine Aussicht auf eine selbstständige Zukunft und sind angewiesen auf die immer geringer werdenden Erträge aus Landwirtschaft und Viehzucht. Um auch in diesen Gebirgsregionen den Fortschritt voran zu treiben und den Menschen die Möglichkeit auf Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu bieten, vergeben viele Organisationen sogenannte Mikro-Kredite. Mit ihnen können sich die mittellosen Bauern den Traum eines eigenen Gewerbes erfüllen. So entstehen zum Beispiel in Eigenregie Nähereien, Lebensmittelläden oder Rikscha-Unternehmen. Mit Regen fing alles an Vom Ergebnis solcher Mikro-Kredite profitiert auch Hempmade. Hempmade, das sind Rucksäcke aus Hanf, handgefertigt von Bewohnerinnen einer abgelegenen …